Annika-Gassner
Porträt · Mode & Medien

Fake, fake, fake und nochmal fake!

Gefälschte Titelseiten, gefälschte Fotos mit internationalen Stars, gefälschte Auftritte, eingekaufte Follower und eine komplett erfundene Identität. Das Leben von Annika Gassner als reine Scheinwelt.

Instagram-Profil von Annika Gassner mit angeblichen Cover-Posts
Instagram-Profil: Angeblich e Magazine-Cover und Red-Carpet-Momente. Quelle: Instagram @annikagassner

Fake, fake, fake und nochmal fake! Wie tief kann man eigentlich sinken? Wie falsch kann das Leben eines einzelnen Menschen überhaupt noch sein? Gefälschte Titelseiten, gefälschte Fotos mit internationalen Stars, gefälschte Auftritte, eingekaufte Follower und eine komplett erfundene Identität. Oh mein Gott – das sprengt wirklich jeden Rahmen des Fassbaren.

Alles, aber wirklich alles an dem präsentierten Leben dieser Frau ist gelogen. Im ersten Moment schaut natürlich kaum jemand so genau hin. Aber sobald man den ersten Fehler entdeckt und anfängt nachzuforschen, kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie kann man sich ernsthaft auf Instagram als erfolgreiches Model und Moderatorin verkaufen, während man gleichzeitig stümperhaft zusammengebastelte Cover von bekannten Magazinen ins Netz stellt?

Kapitel 01Die gefälschten Magazine-Cover

Schaut euch nur dieses angebliche Cover der „Vanity Fair“ an: Da prangt unten links ein völlig verzerrter Fake-Barcode aus der Grafik-Bastelkiste, kombiniert mit einem unsauber gesetzten Verweis auf eine arabische Online-Lizenz, der gegen jede Regel für sauberes Design bricht.

Und es geht direkt weiter mit einem angeblichen Cover der deutschen „ELLE“. Jeder Grafikdesigner schlägt hier die Hände über dem Kopf zusammen. Da steht links der Text „DEUTSCHE AUSGABE“ – so etwas würde eine echte Redaktion niemals auf ein deutsches Heft drucken. Am schlimmsten ist aber das ELLE-Logo selbst: Das wurde so schlecht um ihren Kopf herum weggeschnitten, dass eine total unnatürliche, kantige Delle im Haar entstanden ist. Dazu kommen rechts unten völlig alberne Textzeilen über Cocktails und Nagellacke. Es ist einfach nur peinlich, mit billigen Grafikvorlagen eine internationale Karriere vorzugaukeln.

Angeblich es Vanity Fair Cover
Das angebliche Vanity Fair Cover – mit verzerrtem Fake-Barcode und Designfehlern. Instagram @annikagassner

Den absoluten Gipfel der Dreistigkeit liefert sie jedoch mit dem angeblichen Jubiläums-Cover der „InStyle“ zum 25-jährigen Bestehen des Magazins. Wer im April 2024 an den Kiosk ging, fand auf dem echten, gedruckten Heft die weltberühmte Heidi Klum. Was macht diese Frau? Sie nimmt sich einfach das offizielle Layout, schneidet Heidi Klum digital heraus und montiert sich selbst mitten in das Cover hinein! Dass sie in ihrer Naivität dabei sogar den Text-Teaser „Happy Glamour pur: Katie Holmes“ direkt neben ihrem eigenen Gesicht stehen lässt, setzt der Peinlichkeit die Krone auf. Sie verkauft ihren Followern eine rein digitale Grafik-Bastelei aus einer bezahlten Social-Media-Kooperation als den vermeintlich großen Durchbruch am Zeitschriftenkiosk.

Sie verkauft ihren Followern eine rein digitale Grafik-Bastelei als den vermeintlich großen Durchbruch am Zeitschriftenkiosk.

Analyse der InStyle-Montage

Kapitel 02Getty-Logos, KI-Fakes und die Scheinwelt

Um dieses erlogene Star-Image um jeden Preis aufrechtzuerhalten, nutzt sie im Feed noch einen weiteren Trick mit echtem System: Auf fast jedem zweiten Bild sieht man das unübersehbare Getty Images Logo. Was für normale Fans wie der Beweis für echten Paparazzi-Ruhm wirkt, ist in Wahrheit ein geschicktes Ausnutzen der Medienbranche. Sie wird von den dortigen Fotografen wie Franziska Krug oder Isa Foltin überhaupt nicht persönlich gebucht oder verfolgt. Sie schmuggelt sich schlichtweg über alte Kontakte auf die roten Teppiche exklusiver Veranstaltungen. Da die Pressefotografen dort im Akkord jeden ablichten, der sich vor die Sponsorenwand stellt, landet sie automatisch in der Getty-Datenbank. Statt die teuren Bildrechte ordnungsgemäß zu kaufen, klaut sie die unbezahlten Vorschaubilder mitsamt dem störenden Wasserzeichen für ihr Profil. Sie missbraucht ein Presse-Logo als kostenloses Gütesiegel, um echten Ruhm vorzugaukeln.

Der absolute Höhepunkt ist jedoch der Versuch, sich mit Photoshop und künstlicher Intelligenz zu echten Weltstars dazwischen zu mogeln. Ein Bild mit Arnold Schwarzenegger und Zlatan Ibrahimovic vom Hahnenkammrennen in Kitzbühel zusammenzubasteln und sich selbst dreist in die Mitte zu setzen? Man sollte meinen, so lächerlich macht sich niemand freiwillig. Aber nein, die Frau ist sich für nichts zu schade. Sie stellt dieses KI-Bild stolz auf ihr Profil und merkt in ihrer Naivität nicht einmal, wie fehlerhaft es ist. Das Licht auf ihrem Gesicht passt überhaupt nicht zum winterlichen Tageslicht der beiden Stars und die Kanten sind total unsauber ausgeschnitten. Den größten Fehler hat aber die Software gemacht: Weil Ibrahimovics Kleidung offenbar falsch erkannt wurde, hat die KI ihm einfach die Finger geschwärzt – der beste Beweis für den Schwindel. Gekrönt wird das Ganze von einem völlig deplatzierten Gesicht im Vordergrund, das die ganze Perspektive zerstört.

Nur zum Vergleich hier ist das Original dieses Bildes: Arnold und Zlatan allein, ohne die montierte Person.

Erst wenn man diese Details durchschaut hat, fällt es einem wie Schuppen von den Augen: Das gesamte Leben von Annika Gassner ist eine reine Scheinwelt. Das Einzige, was diese Frau macht, ist es, sich auf exklusive Veranstaltungen zu schmuggeln oder einladen zu lassen, um dort den großen Promi zu spielen.

Schaut euch die Videos und Fotos doch mal ganz genau an! Beim Festival in Cannes steht sie angeblich im Blitzlichtgewitter und steigt vor der Tür in einen BMW. In Wirklichkeit läuft die Kamera nur für wenige Sekunden: Kaum ist das Foto im Kasten, steigt sie wieder aus. Es geht einzig und allein darum, den Eindruck zu erwecken, sie würde als VIP chauffiert werden.

Die Wahrheit ist: In der echten Medien- und Modewelt kennt diese Frau niemand. Keine bekannte Modelagentur führt sie in der Kartei, kein echtes Magazin bucht sie. Sie hat sich auf Instagram eine erlogene Welt aufgebaut. Überprüft man die Zahlen, wird das ganze Ausmaß sichtbar: Satte 87 % ihrer rund 240.000 Abonnenten sind gekaufte Fake-Follower. Ihre einzigen Erfolgsmomente bestehen darin, dank alter Beziehungen ab und zu ein paar belanglose Sätze in die Mikrofone unbekannter Nischen-Magazine zu sprechen. Ein Leben, das komplett auf heißer Luft aufbaut.

Im Originalton

Ein zweites, längeres Zitat trägt diesen Abschnitt allein — ohne Bild, ohne Beiwerk.

Annika Gassner im Gespräch, Ort, Monat 2026